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5 Profi-Tipps für erfolgreiche Innovationsworkshops

Dietmar Gamm

Tipp 1 - Klare Entscheidung für ein Innovationsprojekt

Was ist das Ziel eines Innovations­workshops? Vielleicht: Tolle Ideen erzeugen?

Das bessere Ziel lautet: „Eine starke Ausgangs­position für erfolgreiche Entwicklungs­projekte schaffen“. Im Fokus müssen Change- oder Innovationsprojekte stehen, die durch den Workshop möglich werden. Und die kurz danach gestartet werden. Ideen und Konzepte des Workshops sind kein Selbstzweck.

Ein neues Paradigma

Stellen Sie das übliche Paradigma auf den Kopf. Es lautet: „Wenn wir eine Idee haben, machen wir ein Projekt.“ Beschließen Sie: „Wir werden eine Idee und ein Konzept haben, weil wir ein Projekt starten.“

Sorgen Sie vor dem Workshop dafür, dass ein Projektteam bereit ist. Mit der Zeit und den Freiheiten, die Innovations-Teams brauchen, um erfolgreich zu liefern.

Wenn nötig, stoppen Sie schwache, laufende Projekte. Setzen Sie neue Prioritäten. Im Zweifelsfall lassen Sie den Innovationsworkshop. Solange, bis Sie die richtigen Voraussetzungen geschaffen haben

Die Macht des Vertrauens

Sie sind sicher, dass die Organisation die Ergebnisse der Ideensuche nutzen kann und will.

Jetzt führen Sie eine Vorentscheidung herbei.

Der oder die Entscheider sollen sich klar, deutlich und öffentlich verpflichten. In etwa so:

„Wir werden den besten Projektvorschlag aus dem Innovationsworkshop umsetzen. Das Projekt wird spätestens 6 Wochen nach dem Workshop gestartet. Wir stellen dafür 80.000 € und 2 Personenjahre zur Verfügung. Und wir setzen uns jeden Monat für 2 Stunden mit den Entwicklern zusammen. 

Wir haben Vertrauen in die Workshop-Teilnehmer und die Entwickler. Wir werden als Ergebnis in 14 Monaten eine erfolgreiche neue Generation von Produkt xxx einführen.“

Stellen Sie sich vor, wieviel Motivation und Selbstverpflichtung dieser Ausdruck von Vertrauen und Mut erzeugt. Ihr Workshop wird knistern.

Tipp 2 - Problemfindung statt Ideenfindung

Organisationen betreiben mitunter viel Aufwand für ihr Ideenmanagement. Es gibt die Ideenmanagement-Software, den Ideen-Manager, Ideation-Workshops, Ideen-Wettbewerbe  etc.. Und trotzdem sind die Ergebnisse des ganzen Ideensuchens mitunter enttäuschend. Nicht immer – aber eben oft genug.

In solchen Fällen kann ein Strategiewechsel sehr effektiv sein. Wir richten den Fokus auf Probleme statt auf Ideen. Die Ideenmanagement-Software wird zur Problemmanagement-Software, der Ideen-Manager zum Problem-Manager und der Innovations-Workshop zum „Problemations-Workshop“.

Ziel ist nicht mehr, neue Ideen zu finden, sondern unbekannte Probleme. Da es in diesem Artikel um Innovationsworkshops geht, schauen wir uns das Konzept eines Problemations-Workshops an. Selbst entwickelt und sehr effektiv.

Ein Innovationsprojekt mit einer Problemsuche zu beginnen statt mit einer Ideensuche ist ja nicht neu. Schon seit vielen Jahren werden Kunden oder Anwender befragt und beobachtet, um Probleme zu finden. Probleme bei der Erledigung ihrer Aufgaben, beim Erreichen ihrer Ziele, bei der Erfüllung ihrer Wünsche. Identifizierte Probleme werden dann Ausgangspunkt für die Suche nach besseren Lösungen. Zum Beispiel im Rahmen von Problemlösungs-Workshops.

Leider sind die eingesetzten Verfahren ziemlich aufwändig und unzuverlässig.

In einem eintätigen „Problemation“-Workshop dagegen entwickeln oder entdecken wir zuverlässig interessante und relevante Probleme, mit hohem Innovationspotential. Im nächsten Schritt folgt dann ein Problemlösungs-Workshop, um für die schönsten Probleme elegante Lösungen zu entwickeln.

Wichtig ist: Die interessanten Probleme finden Sie nicht mit schwach strukturierten Kreativitätstechniken wie Brainstorming, Brainwriting oder der 6-3-5-Methode.

Tipp 3 - Ein Innovationsworkshop ist nichts für "Heimwerker"

Ich weiß, wovon ich schreibe. Ich habe im angestellten Teil meiner Laufbahn an genügend Ideenfindungs- und Problemlösungsworkshops teilgenommen, die unerfahrene, nicht dafür ausgebildete Personen durchführten. Und ich war irgendwann eine davon.

Heute kann ich vergleichen. Meine Wirksamkeit vor und nach den Ausbildungen zum Moderator. Ohne und mit der Erfahrung vieler, vieler Workshops.

Es muss sicher nicht immer ein externer Moderatoren-Profi sein. Aber, falls Sie es nicht selbst sind, holen Sie sich für den Job jemanden, der gezeigt hat, dass er Ergebnisse erzielt: dass er (oder sie) Methoden meistert, motivieren, steuern und improvisieren kann.

Tipp 4 - Das Umfeld für den Innovationsworkshop gestalten

Systematische Ideensuche ist anstrengende Arbeit. Man braucht ziemlich viel kognitive Energie, um einen halben oder ganzen Tag kreativ zu sein. Das passende Umfeld ist dabei wichtig.

Gern unterschätzt wird der Einfluss des Workshop-Raums. Worauf Sie achten sollten, sind Klima, Akustik und Ambiente. In genau der Reihenfolge.

  • Klima: Wenn der Workshop, zum Beispiel, im Hochsommer in Süddeutschland stattfindet, versuchen Sie einen klimatisierten Raum zu buchen. Zumindest einen, der im Schatten liegt.
  • Akustik: Im Innovationsworkshop wird gesprochen. Das ist gut und gewünscht. In Räumen mit harten Wänden, Böden und Decken entstehen Hall und Echo. Werden die nicht durch dicke Vorhänge und Polster absorbiert, wird es mental anstrengend für die Teilnehmer. Perfekt sind Räume mit Akustikdecken.
  • Ambiente: Wussten Sie, dass schon ein Poster mit dem Apple-Logo an der Wand die Teilnehmer kreativer macht? Ein helles, modernes, „kreatives“ Ambiente wird das Sprudeln der Einfälle fördern. 

Natürlich bestehen auch Ideenworkshops aus Kompromissen. Hier sind zwei „Workshop-Aspririns“: 

  • Mehr Erholungspausen und
  • kürzere Workshops.

Unter ungünstigen Bedingungen versuche ich (meist erfolgreich) mit den Auftraggebern kreative Lösungen zu finden. Zum Beispiel, eintägige Innovationsworkshops auf zwei Vormittage zu verteilen, sehr früh anzufangen und nach jeweils 60 Minuten eine Viertelstunde an die frische Luft zu gehen.

Tipp 5 - Methode und Moderator müssen zu Thema und Teilnehmern passen

Natürlich gehört es zum kreativen Arbeiten, dass die Teilnehmer gewohnte Paradigmen (Einstellungen, Glaubenssätze) in Frage stellen. Die Frage ist nur, ob das bei der Ideenfindungs-Methode, oder doch besser bei den Workshop-Inhalten geschehen sollte.

Eine Gruppe gestandener Maschinenbau-Techniker und -Ingenieure im Workshop mit Knetmasse und Buntpapier innovieren zu lassen ist interessant – kann aber Kampf-, Flucht oder Erstarrungsinstinkte aktivieren.

Werden dieselben eingeladen, ein Aggregat so zu verändern, dass eine rotierende Komponente eine weitere Drehachse bekommt, machen sich die Damen und Herren direkt an die Arbeit.

Wenn die nächste Frage lautet, wozu das veränderte Design gut sein kann, sprudeln schon die kreativen Ideen. 

Ich unterteile die Kreativitätsmethoden in schwache, bunte und erfinderische. Die schwachen sind Brainstorming und seine Abkömmlinge. Wenn damit erfolgreich innoviert wird, liegt es eher am Moderator als an den Methoden.

Die bunten sind perfekt, wenn es um Ästhetik, Design und ähnliche Herausforderungen geht.

Liegt der Fokus auf Funktionen, sind die Methoden erfinderischen Denkens, TRIZ und die ASIT®-Methode, die Tools der Wahl. Dabei können die Funktionen, neben technischen Systemen, auch Geschäftsprozesse und Organisationen betreffen.