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Die ASIT-Methode: Geniale Problemlösungen und Ideen

Dietmar Gamm

Das Innovationsmanagement braucht neue Ideen

„Werden Ideen schwieriger zu finden?“ So lautet der Titel eine Studie der Standford Universität. Die Forscher zeigen darin, dass Unternehmen ihren Aufwand für Forschung und Entwicklung jedes Jahr um mindestens 5% steigern müssen; nur um dieselbe Anzahl innovativer Ideen und Lösungen zu finden wie im Jahr zuvor.

Erfolgreiche Innovatoren nutzen deshalb effektivere Methoden, um neue Innovationsideen und kreativere Problemlösungen zu finden.

Höher strukturierte Innovations- und Kreativitätsmethoden, wie

  • TRIZ (Theorie des erfinderischen Problemlösens) oder die
  • ASIT-Methode (Advanced Systematic Inventive Thinking)

lösen die klassischen Kreativitätstechniken, wie

  • Brainstorming und Brainwriting,
  • Provokationstechniken,
  • lateralem Denken, der
  • 6-3-5-Methode oder der
  • Walt-Disney-Methode

ab. Dabei wird meist die agilere ASIT-Methode dem aufwändigeren TRIZ vorgezogen. Das Innovationsmanagement steigert so gleichzeitig die Ideenqualität und die Produktivität der Entwicklungsteams.

Die ASIT-Methode

„ASIT“ steht für „Advanced Systematic Inventive Thinking“. Das Akronym wurde durch den Entwickler der Methode, den israelischen Luft- und Raumfahrtingenieur Dr. Roni Horowitz geprägt. Die Markenrechte für Westeuropa liegen bei der französischen SolidCreativity EURL.

Die ASIT-Methode ist eine Weiterentwicklung der älteren und komplexeren „Theorie des erfinderischen Denkens“, der besonders in globalen Technologiekonzernen verbreiteten TRIZ-Methode.

Das erfinderische Denken mit ASIT läßt sich vorstellen als das Produkt eines „Rückwärts-Engineerings“ von tausenden Problemlösungen und Innovationen. Die ASIT-Pioniere beantworteten drei Fragen.

  1. Was hat sich jeweils verändert, zwischen der Innovation und dem ursprünglichen Produkt oder der ursprünglichen Lösung?
  2. In welche Gruppen, in welche Muster können wir diese Veränderungen verallgemeinern und zusammenfassen?
  3. Welche dieser Muster treten bei erfolgreichen Innovationen häufig und bei Flops selten oder nie auf?

Das Ergebnis sind 5 Muster für kreative Problemlösungen und 6 Muster für Innovationen. 

Im ASIT-Workshop, der Ideensuche in Kleingruppen, werden diese Muster als Anregungen, als Ideentrigger eingesetzt. Unterlegt mit inspirierenden Beispielen navigieren sie die Workshopteilnehmer zu eleganten Ideen und Lösungen, die sie ansonsten kaum gefunden hätten. Ideen, die sich durch hohe Umsetzbarkeit und Erfolgswahrscheinlichkeit auszeichnen. 

Anstoß für die Entwicklung der ASIT-Methode war die Frustration israelischer TRIZ-Lehrer mit der Schwierigkeit, die ansonsten sehr effektive TRIZ-Methode in Organisationen erfolgreich zu implementieren. Sie erkannten, dass sowohl Potenzial als auch Bedarf für eine grundlegende Vereinfachung der komplexen TRIZ-Methode vorhanden war. ASIT, die neue Methode wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen sorgfältig validiert – und konnte ihre Überlegenheit gegenüber verbreiteten Kreativitäts- und Ideenwerkzeugen unter Beweis stellen. 

Mittlerweile hat sich ASIT als echtes Allround-Kreativitäts- und Innovationswerkzeug etabliert. Die ASIT-Problemlösungs- und Innovationsprinzipien werden eingesetzt zur Weiterentwicklung von Bank- und Versicherungsprodukten, Handelskonzepten, Preis- und Geschäftsmodellen, Dienstleistungen und in vielen anderen Feldern.

Die Denkwerkzeuge der ASIT-Methode am Beispiel des "Symmetrie brechen"

  • Die ASIT-Methode besteht aus einem festen Vorgehen und den Denkwerkzeugen. Die Denkwerkzeuge bauen auf, auf den erwähnten Innovations- und Lösungsmustern.

Wie sehen die Denkwerkzeuge aus? Nehmen wir als Beispiel das „Symmetrie brechen“. Viele erfolgreiche Innovationen und Problemlösungen beruhen darauf, dass eine neue Abhängigkeit entstanden ist, zwischen einer wichtigen Eigenschaft des Systems und einem internen oder externen Parameter. 

Ein schönes Beispiel ist die Evolution von Autoscheinwerfern. Ursprünglich waren die beiden Scheinwerfer absolut symmetrisch – außer dass einer links und der andere rechts der Mittelachse angeordnet war. Bei allen Eigenschaften herrschte Symmetrie:

  • Größe und Geometrie der Reflektoren,
  • Art der Lichtquelle,
  • Lichtstärke, 
  • horizontale und vertikale Leuchtrichtung,
  • Lichtfarbe und der
  • Abstand zur Mittelachse.

Wir unterscheiden dabei zwischen örtlicher und zeitlicher Symmetrie. 

Örtliche Symmetrie bedeutet zum Beispiel:

„Die Lichtstärken von rechtem und linkem Scheinwerfer sind identisch“. 

Zeitliche Symmetrie kann bedeuten: 

„Die Lichtstärke der beiden Scheinwerfer ist konstant.“ 

Irgendwann hatte ein Entwickler die Idee, die Eigenschaft „Leuchtrichtung“ asymmetrisch, von einer Konstanten zu einer örtlichen Variablen zu machen. Der linke Scheinwerfer wurde so ausgerichtet, dass der Gegenverkehr weniger geblendet wurde – der rechte so, dass der Straßenrand besser ausgeleuchtet wurde. 

In den letzten Jahren wurde dann die Leuchtrichtung auch zeitlich asymmetrisch. Das bedeutet, zu verschiedenen Zeiten – unter verschiedenen Bedingungen haben wir unterschiedliche Leuchtrichtungen. 

Ganz genau: Das adaptive Kurvenlicht.

In der Entwicklungsgeschichte von vielen technischen und nicht-technischen Systemen spielt dieses Prinzip eine entscheidende Rolle. Häufig können wir solche Entwicklungen in vier Phasen feststellen. 

Im Ursprung ist eine Eigenschaft konstant. In der folgenden Entwicklungsstufe wird sie zu einer örtlich-statischen Variablen (z. B. Eigenschaft ist abhängig von Position). In der dritten Stufe wird sie zu einer „schaltbaren“ Variablen und in der vierten „adaptiv“, oder „selbstregulierend“.

Bei der Arbeit mit der ASIT-Methode und dem Werkzeug „Symmetrie brechen“ würden wir nun eine Liste mit wichtigen Eigenschaften erstellen. Uns dann Varianten vorstellen, bei denen diese Eigenschaften veränderlich sind. Bei denen sie neue Abhängigkeiten (örtlich, zeitlich) bekommen. 

Um bei den Autoscheinwerfern zu bleiben. Wir würden Fragen wie diese entwickeln und beantworten:

  • Was wäre, wenn die Scheinwerfer sowohl kalt-weiß also auch warm-weiß leuchten könnten? Wozu wäre das nützlich oder attraktiv? Wie lässt sich das realisieren? Wann würden sie kalt, wann warm leuchten?
  • Was wäre, wenn die Scheinwerfer, neben weiß, auch blau, grün und rot leuchten könnten? Vielleicht auch nur in einem Teil der Gesamtfläche, oder intermittierend. Wozu wäre das nützlich? Wie könnten wir das realisieren? Wann würden sie grün, wann rot leuchten?
  • Was wäre, wenn die Anzahl der Scheinwerfer variabel wäre? Wenn unter bestimmten Bedingungen ein dritter Scheinwerfer aktiviert würde? Wie würde der sich von den beiden ersten unterscheiden? Welche Funktion könnte er haben?

Ist das Ziel unserer Arbeit die Lösung eines vorgegebenen Problems, lauten die Fragen etwas anders. Suchen wir zum Beispiel nach Lösung, wie autonome, selbstfahrende Autos miteinander kommunizieren können, stellen wir vielleicht die Frage: 

  • Wie können autonome Fahrzeuge miteinander kommunizieren, wenn die Lichtfarbe der Scheinwerfer örtlich oder zeitlich variabel ist?

Diese Fragen nennen wir „Suchinstruktionen“ oder „Ideentrigger“. Studien zeigen, dass die Ideentrigger der ASIT-Methode zu 3x mehr Ideen führen, in die Marketingexperten investieren würden, als klassische Kreativitätstechniken. Bei vergleichbarem Aufwand.

Nun zum Ablauf eines ASIT-Workshops. In den meisten Fällen erledigt ein kleines Team von zwei oder drei Personen die vorbereitenden Aufgaben vor dem eigentlichen Workshop.

Dazu gehört die ASIT-konforme Definition des Ziels der Ideensuche. Soll ein konkretes Problem, zum Beispiel ein technischer Widerspruch aufgelöst werden? Oder suchen wir ganz offen nach irgendwelchen Möglichkeiten, ein Produkt oder System weiter zu entwickeln – ganz gleich ob es dabei attraktiver, robuster, umweltfreundlicher oder billiger wird?

Ist so das Ziel konkretisiert, erstellt das Vorbereitungsteam Listen mit den Elementen, Objekten und Eigenschaften, die später mit durch Kombination mit den Innovations- und Lösungsmustern die Ideentrigger – oder Suchinstruktionen – ergeben. In einem typischen Workshop kann jedes Team, jede Kleingruppe von zwei bis sechs Personen mit vier ASIT-Mustern – und zu jedem ASIT-Muster mit wiederum vier Elementen arbeiten. Das ergibt je Kleingruppe sechzehn „Ideentrigger/Suchinstruktionen.“

Jedes Muster wird etwa eine Stunde lang, in einem „Ideensprint“ bearbeitet. Jeder Ideensprint beginnt damit, dass ein Moderator das aktuelle ASIT-Prinzip erklärt und passende, inspirierende Beispiele anführt. Anschließend entwickelt die Gruppe zu den Ideentriggern ihre Lösungen und Ideen. In der letzten Phase werden diese nach einem einfachen Schema bewertet.

Am Ende der Veranstaltung werden schließlich die besten Lösungen verfeinert und für eine Kurzpräsentation vorbereitet.

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