Die ASIT-Methode praktisch anwenden

Was ist die erfolg­reichste Inno­va­tions- und Lösungs­stra­te­gie? Sie besteht darin, erfin­de­ri­sche Prin­zi­pien, die oft erfolg­reich sind, auf die eigene Situa­tion zu über­tra­gen. Hier ist ein Beispiel, wie die ASIT-Methode das in der Praxis macht. Ein Prinzip, welches Sie sofort prak­tisch nutzen können.

ASIT bedeutet Innovieren nach Muster

Die Erfolgs­story der schwe­di­schen Möbel­häu­ser begann mit einer Idee des Grün­ders Ingvar Kamprad. Um Möbel erschwing­li­cher zu machen, verla­gerte er die Montage von der Möbel­fa­brik in die Wohnun­gen und Häuser der Kunden. Vom eigenen Perso­nal oder dem der Liefe­ran­ten hin zum Kunden. Das sparte (Arbeits-) Kosten auf der Ikea-Seite und hatte zusätz­li­che posi­tive Neben­ef­fekte. Zum Beispiel sind die Trans­port- und Lage­rungs­kos­ten „flacher Möbel” nied­ri­ger als die für montierte Möbel. Die Idee gab seinem Unter­neh­men ein starkes Allein­stel­lungs­merk­mal im Wett­be­werb der Möbelhändler.

Der Kern der Methode ist das Kopie­ren von Dingen, die statis­tisch häufig zum Erfolg führen. Aller­dings kopie­ren ASIT-Entwick­ler und Problem­lö­ser erfolg­rei­che Ideen nicht eins-zu-eins. Sie gehen auf eine höhere Abstraktionsebene.

So entwickeln Sie eine Geschäftsidee mit ASIT

Beispiel: Ein IKEA-Konkur­rent ahmt die Idee nach. Also auch er bietet seine Möbel „flach” an und über­lässt dem Kunden den Zusam­men­bau. Die Nach­ah­mer-Stra­te­gie kann sehr erfolg­reich sein – inno­va­tiv ist sie nicht.

Jetzt verset­zen Sie sich selbst einmal in die Rolle eines Produ­zen­ten von Jeans­ho­sen. Sie über­le­gen sich: „So etwas wie Ikea da gemacht hat, das könnte ich doch auch tun.” 3 Monate nachdem Ihnen die Idee kam, bieten Sie Ihren Kunden konfek­tio­nier­ten Jeans­stoff inklu­sive Reiß­ver­schluß an. Hosen­bau­sätze sozu­sa­gen. Der Kunde oder die Kundin muss nur das Nähen selbst über­neh­men.  Um das zu erleich­tern stellen Sie Video­an­lei­tun­gen über Youtube bereit.

Zuerst gewin­nen Sie eine ganze Reihe an „early adop­tern”. Das sind die Kunden, die Neues gleich auspro­bie­ren möchten – und natür­lich in diesem Fall, die eine Nähma­schine besit­zen und bedie­nen können. Über die Social Media Kanäle der early adop­ters erreicht das neue Angebot zehn­tau­sende anderer Interessenten.

Ein Jahr später ist klar, dass Ihre (kopierte) Idee funk­tio­nert. Sie sind über­rascht, wieviele Menschen mit Nähma­schine und Freude am Selber Machen es gibt, die Ihr Angebot begeis­tert anneh­men. Wieder ein Jahr später haben Sie als Kunden ausser­dem viele kleine Nähstu­dios und Ände­rungs­schnei­de­reien. Die verkau­fen nun Jeans Ihrer Marke, die sie vor Ort fertignähen.

Wir haben hier also das allge­meine Prinzip, einen Arbeits­schritt an Kunden auszu­la­gern, von Möbeln auf Hosen übertragen. 

Wenn Sie das, was Sie da gemacht haben als „Such- oder Arbeits­an­wei­sung” formu­lie­ren würden, hätten Sie so etwas wie:

"Suche nach Geschäftsideen, bei denen die Kunden oder Nutzer einen wichtigen Prozessschritt übernehmen." 

Hier ist ein guter Punkt, um kurz anzu­hal­ten und zu über­le­gen, ob und wie Sie das Prinzip selbst prak­tisch nutzen können. Wie Sie einfach mal ein biss­chen ASIT machen können. In Ihrer Orga­ni­sa­tion, Ihrer Abtei­lung zum Beispiel. Viel­leicht fallen Ihnen auch Beispiele ein, wo sie es schon nutzen. Zum Beispiel haben Orga­ni­sa­tio­nen noch vor einigen Jahren ganze Abtei­lun­gen beschäf­tigt, die Kunden­da­ten in die EDV-Systeme eintru­gen und pfleg­ten. Mitt­ler­weile haben viele davon diesen Arbeits­schritt an die Kunden ausge­la­gert. Die neue Kundin gibt ihre Adresse etc. bitte selbst über den Webshop des Unter­neh­mens ins System ein.

Die nächste Stufe nehmen

Jetzt machen wir nochmal einen Sprung, mit dem wir aller­dings sehr viel weiter sprin­gen. Wir abstra­hie­ren die „Arbeits­an­wei­sung” oben in:

"Suche nach Geschäftsideen, bei denen eine wichtige Aufgabe auf ein Element im Umfeld übertragen wird." 

Das ist als Arbeits­an­wei­sung erstmal abstrak­ter und schwie­ri­ger als die erste Stufe. Es hat aber einen Riesenvorteil:

Uns eröff­nen sich so viel mehr Chancen, viel mehr Poten­tial für Inno­va­tio­nen, Erfin­dun­gen und krea­tive Problem­lö­sun­gen als mit der engen Über­tra­gung des Ikea-Prinzips.

Um diese Chancen zu nutzen, setzen wir bei der ASIT-Methode auf vier Strategien:

  • Wir erstel­len einen struk­tu­rier­ten Über­blick über das System, seine Teile und sein Umfeld. Also ein Über­blick, was wir even­tu­ell anders anord­nen können (die Teile, im Beispiel oben den Monta­ge­schritt) und welche Elemente des Umfelds wir dabei nutzen können (zum Beispiel Kunden, Liefe­ran­ten, das Inter­net, die Stadtverwaltung … ).
  • Wir orga­ni­sie­ren einen Work­shop, so dass wir eine Reihe solcher Aktio­nen, mit unter­schied­li­chen Teilen, durch­spie­len können.
  • Wir „füttern” die Teil­neh­mer mit inspi­rie­ren­den Beispie­len für das jewei­lige Inno­va­ti­ons­prin­zip. Hier also Beispiele aus anderen Bran­chen und Feldern, bei denen das Prinzip „abtren­nen und neu anord­nen” zu starken Lösun­gen oder Inno­va­tio­nen geführt hat.
  • Im Work­shop nehmen wir uns dann in Klein­grup­pen Teil für Teil vor. Mit den Beispie­len im Hinter­kopf suchen wir nach Möglich­kei­ten, das Prinzip auf die einzel­nen Teile anzuwenden.

Ideenfindung im Workshop mit ASIT

Wenn wir mit ASIT im Work­shop nach Lösun­gen und Ideen suchen, fühlt sich das durch den sehr struk­tu­rier­ten Ablauf anfangs ein bißchen „büro­kra­tisch” an. Schon nach einer Vier­tel­stunde erfah­ren die Teil­neh­mer, dass sie Ideen haben, auf die sie anders nie gekom­men wären. Ideen, die in hohem Maße attrak­tiv und auch prak­ti­ka­bel sind. Ab da wird die Grup­pen­ar­beit im ASIT-Work­shop zum Selbstläufer.

Natür­lich ist das Lösungs- und Inno­va­ti­ons­prin­zip des „Abtren­nen und neu Anord­nen” nicht das einzige. Uns stehen fünf (bei Problem­lö­sung) bzw. sechs (bei der Suche nach Inno­va­ti­ons­ideen) davon zur Verfü­gung. Jede Menge Treib­stoff für clevere Lösun­gen also.