TRIZ und die ASIT-Methode im Vergleich

In großen Tech­no­lo­gie-Konzer­nen gehört TRIZ zur Grund­aus­stat­tung in den Entwick­lungs­ab­tei­lun­gen. Wenn Sie diesen Artikel gelesen haben, wissen Sie das Wich­tigste über TRIZ – und über seinen „mittel­stands-freund­li­chen” Ableger, die ASIT-Methode. 

Was lernen Sie in diesem Artikel?

  • Wie Lösungs- und Ideen­fin­dung mit höher struk­tu­rier­ten Werk­zeu­gen (TRIZ und ASIT) funktioniert.
  • Wie sich TRIZ und ASIT in Ablauf und Denk­werk­zeu­gen unterscheiden
  • Wie die ASIT-Methode entstand (kurz)
  • Für welche Orga­ni­sa­tio­nen ASIT besser funk­tio­niert als TRIZ

Erfinderisches Denken

Triviale Krea­ti­vi­täts­tech­ni­ken wie Brain­stor­ming oder die Walt-Disney-Methode sind weit verbrei­tet. Anwen­der hoffen, mit ihrer Hilfe einge­fah­rene Denk­schie­nen zu verlas­sen und neue Ideen zu finden. Typi­sche Anlei­tun­gen sind: „Denken Sie wild!“, „Denken Sie Out-of-the-Box!“ oder „Verges­sen Sie alle Einschränkungen!“.

Kogni­ti­ons­psy­cho­lo­gen zeigen jedoch, dass das Gegen­teil richtig ist. Nicht Hemmungs­lo­sig­keit, sondern Restrik­tio­nen führen zuver­läs­sig zu elegan­ten Ideen.

Die Entwick­ler der Inno­va­tions- und Problem­lö­sungs­me­tho­den TRIZ und ASIT haben die Frage beant­wor­tet, welche Restrik­tio­nen zu den besten Ideen und Lösun­gen führen. Dazu unter­such­ten beide Tausende von erfolg­rei­chen Inno­va­tio­nen auf die gemein­sa­men Muster erfolg­rei­cher Innovationen.

Orga­ni­sa­tio­nen welt­weit nutzen heute mit TRIZ oder ASIT diese Muster als Denk­werk­zeuge fürs syste­ma­ti­sche Innovieren.

Wie jede Methode muss sich auch TRIZ dem Wandel stellen. Einige Entwick­lun­gen betref­fen den Umgang mit erfin­de­ri­schen Aufga­ben, die bei der Entste­hung der Methode nicht exis­tier­ten. Bei anderen ging es darum, Aufwand und Komple­xi­tät zu verrin­gern, um sie mehr Menschen und Orga­ni­sa­tio­nen zugäng­lich zu machen.

Von allen Projek­ten, TRIZ anwen­der­freund­li­cher zu machen, war die Arbeit des israe­li­schen Luft- und Raum­fahrt­in­ge­nieurs und TRIZ-Lehrers Dr. Roni Horo­witz das erfolgreichste.

In seiner Veröf­fent­li­chung „In vier Schrit­ten von TRIZ zu ASIT“ erläu­tert Horo­witz die vier Schritte, in denen er den TRIZ-Ansatz in die ASIT-Methode über­führte. Dabei wurde Altschul­lers abstrak­tes Prinzip der Idea­li­tät zur konkre­ten Bedin­gung der „Geschlos­se­nen Welt“. Die Auflö­sung eines Wider­spruchs bei TRIZ wurde zur Bedin­gung der „Quali­ta­ti­ven Verän­de­rung“. Dadurch entfiel das Über­set­zen des zu lösen­den Problems in eine Schnitt­zelle der Wider­spruchs­ta­belle – für viele Anwen­der eine große Hürde und Fehlerquelle.

Aus Altschul­lers 40 Lösungs­prin­zi­pien wurden, durch Weglas­sen sehr spezi­fi­scher oder nur selten nütz­li­cher – und durch Zusam­men­fas­sung von ähnli­chen Prin­zi­pien – anwen­der­freund­li­che fünf (Problem­lö­sung), bzw. sechs (offenes Innovieren).

Die 5 ASIT-Lösungsprinzipien

Unifi­ka­tion

Multi­pli­ka­tion

Divi­sion

Symme­trie brechen

Subtrak­tion

Ursprung und Entwick­lung von TRIZ

TRIZ ist das russi­sche Akronym für „Theorie des erfin­de­ri­schen Problem­lö­sens“. Die prak­ti­sche Anwen­dung der Theorie ermög­licht, tech­ni­sche Probleme einzu­ord­nen und syste­ma­tisch zu lösen.

In der Mitte des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts entwi­ckelte Genrich Saulo­witsch Altschul­ler die heute welt­weit verbrei­tete Methode. Sein Ziel: Probleme mit Hilfe von Mustern oder Regeln zu lösen, statt auf Einge­bun­gen zu hoffen. Als Patent­of­fi­zier der russi­schen Marine unter­suchte er zigtau­sende von Erfin­dun­gen nach Regeln, die den Über­gang vom Problem zur Lösung beschreiben.

Die vierzig wich­tigs­ten und ihre Anwen­dung sind der Kern seiner TRIZ-Methode. Altschul­ler lebte in der Stalin-Ära viele Jahre unter schwie­ri­gen Umstän­den. Ein offener Brief an Stalin, in dem er wirt­schaft­li­che Miss­stände ansprach, führte zu sechs Jahren Zwangs­ar­beit. Erst nach Stalins Tod durfte er – zeit­weise – Artikel zur TRIZ-Methode veröffentlichen.

Immer wieder aber konnte er sein Wissen nur im Gehei­men verbrei­ten. Dazu schrieb er Science Fiction Lite­ra­tur. In seinen Büchern nutzen die Helden die TRIZ-Regeln, um ihre Aben­teuer zu bestehen.

Nach dem Fall der Sowjet­union wander­ten namhafte TRIZ-Exper­ten in die USA und andere Länder aus. Beson­ders große Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men erkann­ten das Poten­zial dieses „Erfah­rungs- und Wissen­kon­zen­trats“ von tausen­den erfolg­rei­cher Inno­va­tio­nen. Statt das Rad mit jedem Problem neu zu erfin­den setzen sie heute auf TRIZ-Spezia­lis­ten zur Lösung ihrer Probleme.

Von TRIZ nach ASIT – Dr. Roni Horowitz

Einige Elemente der TRIZ-Methode, die für bestimmte Aufga­ben­stel­lun­gen zwar nütz­lich sein können, aber für eine kompakte „Breit­band­me­thode“ eher Ballast sind, wurden weggelassen.

Horo­witz fasst in einem Aufsatz wie folgt zusammen:

„Ich habe versucht, in diesem Artikel die wich­tigs­ten Schritte zu zeigen, die TRIZ in ASIT über­führt haben. Meine Moti­va­tion war, eine Methode zu entwi­ckeln, die leich­ter zu erler­nen und zu behal­ten ist (erreicht durch eine klei­nere Anzahl von Regeln und Werk­zeu­gen), univer­sel­ler einsetz­bar ist (erreicht durch das Weglas­sen von tech­no­lo­gie-spezi­fi­schen Werk­zeu­gen) und den Problem­lö­ser in ein wirk­lich erfin­de­ri­sches Gerüst einzu­bin­den (was durch das Geschlos­sene-Welt-Prinzip erreicht wird).

ASIT sollte eher als Ergän­zung zu TRIZ, statt als Ersatz betrach­tet werden. Manche Leute finden es einfa­cher, bei ihrer Problem­lö­sungs­er­fah­rung mit ASIT zu begin­nen und dann mit TRIZ fort­zu­fah­ren, beson­ders wenn sie eher mecha­ni­sche Proble­mar­ten behan­deln. Andere Menschen begin­nen mit TRIZ und stellen dann fest, dass ASIT sich besser für sie eignet.“

Vergleich von Ablauf und Innovationsvorlagen

TRIZ und ASIT sind Metho­den, mit denen sich tech­ni­sche und andere Probleme erfin­de­risch lösen lassen. Die ältere und komple­xere TRIZ-Methode versteht ein Problem als einen Wider­spruch, ein Dilemma, einen Zielkonflikt.

Ein Beispiel dafür: Grillen Sie gerne? Als passio­nier­ter Grill­meis­ter wissen Sie sicher­lich, dass das rohe Fleisch erst kurz vorm Grillen gesal­zen werden sollte. Warum das so wichtig ist? Salz entzieht dem Fleisch mit der Zeit immer mehr Fleisch­saft. Ohne diese Flüs­sig­keit wird das gegrillte Steak aber zäh und trocken.

Wie steht es nun mit „grill­fer­ti­gem“ Fleisch vom Flei­scher oder aus dem Super­markt? Ein Ziel des Anbie­ters ist, das Fleisch grill­fer­tig vorge­würzt anzubieten.

Ein weite­res Ziel ist, das der Kunde ein erst­klas­si­ges Produkt genie­ßen kann. Ein eindeu­ti­ger Wider­spruch! Was tut der Flei­scher? Sucht er den Kompro­miss? Er könnte dem Fleisch nur die Hälfte an Salz zugeben. So schmeckt es zwar etwas fade – aber es wird zumin­dest nicht ganz so trocken.

Wären Sie als Kunde mit dieser Lösung einver­stan­den? Wir können TRIZ einset­zen, um eine bessere Lösung zu entwi­ckeln. Eine, die beide Anfor­de­run­gen (Conve­ni­ence und Quali­tät) erfüllt und keinen Kompro­miss darstellt.

TRIZ-Vorgehen

Dazu über­füh­ren wir zuerst beide Anfor­de­run­gen in Para­me­ter der TRIZ-Wider­spruchs­ta­belle. Es bieten sich für den Para­me­ter „Salz­zu­gabe“ der TRIZ-Para­me­ter 26 „Mate­ri­al­menge“ und für den Para­me­ter „Saft­ge­halt“ der TRIZ-Para­me­ter 23 „Mate­ri­al­ver­lust“ an. Die TRIZ-Tabelle empfiehlt dann den Einsatz der Prin­zi­pien 3 (Örtli­che Quali­tät), 6 (Univer­sa­li­tät), 10 (Vorge­zo­gene Aktion) und 24 (Media­tor).

Wenn Sie den Prozess selbst nach­voll­zie­hen möchten, können Sie dazu die inter­ak­tive TRIZ-Matrix unter www.triz40.com verwen­den. Unter den vorge­schla­ge­nen Lösungs­prin­zi­pien lässt sich die Lösung am ehesten mit Prinzip 24 „Media­tor“ und der Instruk­tion „Verbinde das System zeit­weise mit einem leicht zu entfer­nen­den Objekt“ erzielen.

Wie hat die Fleisch­wirt­schaft das Problem gelöst? Die etablierte Lösung des Problems besteht darin, die in der Mari­nade enthal­te­nen Salz­kör­ner mit einem Fett­man­tel zu umhül­len. Dieser schmilzt bei einer Tempe­ra­tur von 55°C. Dadurch wird erst beim Grillen das Salz frei und kann seine Geschmacks­wir­kung entfal­ten ohne das Fleisch vorher auszulaugen.

Die einfachere ASIT-Vorgehensweise

Was ist anders, wenn wir das Problem mit der ASIT-Methode statt mit TRIZ bear­bei­ten? Mit ASIT funk­tio­niert es sehr viel einfa­cher – aber ebenso effek­tiv. Mit ASIT wird das zu lösende Problem als einfa­cher Satz formu­liert, den wir „Uner­wünsch­ter Effekt“ nennen.

Bezogen auf unser Fleisch­pro­blem: „Das Salz in der Mari­nade entzieht dem Grill­gut den Fleisch­saft.“ Aus dem Problem­satz wird dann direkt die gewünschte Aktion abge­lei­tet: „Der Fleisch­saft bleibt im Grillgut“.

Die TRIZ-Notwen­dig­keit, die beiden Wider­spruchs­pa­ra­me­ter heraus­zu­ar­bei­ten und in das Format der Wider­spruchs­ta­belle zu bringen kann damit entfal­len. Anschlie­ßend werden mit den fünf ASIT-Lösungs­prin­zi­pien die „Ideen­trig­ger“ formuliert.

Ein Ideen­trig­ger besteht aus der Kombi­na­tion eines Objek­tes, einer Modi­fi­ka­tion und der gewünsch­ten Aktion. (Was für ein Satz! Aber er wird gleich an konkre­ten Beispie­len erläutert.)

Beispiels­weise würde die Methode in einem Work­shop zum Thema „Grill­fleisch“ folgende fünf Ideen­trig­ger vorgeben:

  • Das Element SALZ (oder ein Teil davon) wird abge­trennt und räum­lich oder zeit­lich neu ange­ord­net. Dadurch bleibt der Fleisch­saft im Grillgut.
  • Das GRILLEN wird abge­trennt und räum­lich oder zeit­lich neu ange­ord­net. Dadurch bleibt der Fleisch­saft im Grillgut.
  • Der SALZGEHALT vari­iert abhän­gig von Zeit, Raum oder anderen Para­me­tern. Dadurch bleibt der Fleisch­saft im Grillgut.
  • Das Objekt FETT sorgt dafür, dass der Fleisch­saft im Grill­gut bleibt.
  • Ein neues Objekt der glei­chen Art wie SALZ sorgt dafür, dass der Fleisch­saft im Grill­gut bleibt.

Teilnehmer und Lösungsfindung

Dabei werden die Teil­neh­mer vor Beginn der Lösungs­su­che inten­siv auf die Lösungs­prin­zi­pien „kali­briert“. Der Mode­ra­tor nutzt dazu reale Beispiele, in denen die Lösungs­prin­zi­pien kreativ umge­setzt wurden.

Im Beispiel lässt sich die etablierte Lösung aus mindes­tens zwei ASIT-Ideen­trig­gern ohne große Mühe ablei­ten, nämlich Ideen­trig­ger 1 und 4. Aber auch die Ideen­trig­ger 2, 3 und 5 haben hohes Poten­zial für andere, elegante Lösun­gen des Problems. Wir sehen eben­falls, dass auch bei der ASIT-Methode sowohl mit dem verschlim­mern­den Faktor „Salz­zu­gabe“ als auch dem zu verbes­sern­den Faktor „Fleisch­saft­ge­halt im ferti­gen Grill­gut“ gear­bei­tet wird.

ASIT setzt aller­dings den Fokus viel stärker auf den zu verbes­sern­den Faktor, also das Ziel der Bemü­hung und weniger seine Ursachen.

In einem ASIT-Work­shop wird im Vergleich zum TRIZ-Work­shop erheb­lich weniger Zeit für die Vorbe­rei­tung der Lösungs­su­che benö­tigt. Der Mode­ra­tor stimu­liert die Teil­neh­mer mit inspi­rie­ren­den Beispie­len der Lösungs­prin­zi­pien. Für das Lösungs­prin­zip „Divi­sion“, bei einer Aufga­ben­stel­lung mit verfah­rens­tech­nisch-chemisch-biolo­gi­schem Hinter­grund, wird er beispiels­weise folgende Ansätze mit passen­den Beispie­len erläutern:

  • Räum­li­che Verla­ge­rung oder Tren­nung, Abtren­nung und spätere Wiederzugabe
  • Wirkungs­ver­zö­ge­rung (Retar­die­rung) durch lösli­che oder entfern­bare Coatings, Hüllen, Behältnisse
  • Verzö­ge­rung einer Reaktion
  • Ablauf in Schritte auftei­len und je Schritt Para­me­ter oder Ressour­cen variieren.
  • Aus konti­nu­ier­li­chen (Mate­rial-) Strömen pulsie­rende machen.
  • System in Teile zerle­gen und je Teil Para­me­ter oder Ressour­cen variieren.

Er wird die Teil­neh­mer einla­den, die Liste mit Ansät­zen und Beispie­len aus ihrem eigenen Feld zu ergän­zen. So werden die Teil­neh­mer auf beson­ders elegante Möglich­kei­ten des jewei­li­gen ASIT-Lösungs­prin­zips eingestimmt.

Zugänge zur ASIT-Methode

Solid­Crea­ti­vity EURL ist euro­päi­scher Lizenz­neh­mer von Dr. Roni Horo­witz und Inhaber der Marke in Frank­reich, Deutsch­land und weite­ren Ländern. Im deutsch­spra­chi­gen Raum bietet die Solid­Crea­ti­vity GmbH exklu­siv ASIT-Semi­nare an, um Quali­tät und Inte­gri­tät im Sinne von Dr. Horo­witz sicher­zu­stel­len. Die Mode­ra­tion von Inno­va­tions- und Problem­lö­sungs­work­shops kann eben­falls bei Solid­Crea­ti­vity GmbH gebucht werden.