Innovationsprinzip Asymmetrie – Booster für den Produktlebenszyklus

Wir lieben Symmetrie. Was nicht immer ein Vorteil ist.

Foto von Nico Meier

Fliegende Schwalben ziehen uns in ihren Bann – doch warum eigentlich? Ein Grund ist ihre perfekte Symmetrie. Zur Symmetrie gehört immer eine Symmetrieachse. Bei der Schwalbe verläuft diese entlang ihres Körpers und teilt ihn in zwei identische Hälften.

Symmetrie wirkt beruhigend und ästhetisch ansprechend auf uns. Doch nicht nur in der Natur, auch in der Technik spielt Symmetrie eine wichtige Rolle. Manchmal ist gerade das Brechen der Symmetrie der Schlüssel zu innovativen Lösungen.

Fahrstreifensteuerung im Elbtunnel – Beispiel für zeitliche Asymmetrie

Foto: Malene Thyssen, link

Ein spannendes Beispiel für Symmetrie in der Technik finden wir im Hamburger Elbtunnel. Hier sorgt eine intelligente Steuerung dafür, dass die Fahrtrichtung in den Tunnelröhren je nach Verkehrsaufkommen angepasst wird. Morgens strömt der Verkehr hauptsächlich in die Stadt, abends wieder hinaus. Diese flexible Anpassung, genannt zeitliche Asymmetrie, verbessert den Verkehrsfluss erheblich und sorgt für mehr Sicherheit und Effizienz.

Das Internet – Richtungsasymmetrie

Auch das Internet nutzt asymmetrische Prinzipien. Früher waren die Bandbreiten für das Hochladen und Herunterladen gleich – symmetrisch. Doch da wir meist mehr Daten herunterladen als hochladen, wurde ADSL entwickelt. Es teilt die verfügbare Bandbreite ungleich auf: mehr Kapazität zum Herunterladen, weniger zum Hochladen. So wird die Internetnutzung effizienter.

Asymmetrie im Alltag – Reifen, Scheinwerfer, Straßenbeleuchtung

Asymmetrie begegnet uns auch im Alltag. Nehmen wir zum Beispiel Autoreifen: Bei asymmetrischen Reifen ist das Profil auf der Innen- und Außenseite unterschiedlich gestaltet, um sowohl bei Kurvenfahrten als auch bei Nässe optimale Leistung zu bieten.

Auch moderne Autoscheinwerfer nutzen asymmetrische Prinzipien. Adaptives Kurvenlicht passt sich der Fahrsituation an und sorgt so für bessere Sicht und Sicherheit. Die einst symmetrischen Scheinwerfer haben sich weiterentwickelt, um den unterschiedlichen Anforderungen an die Beleuchtung gerecht zu werden.

Neuer Schub im Produktlebenszyklus: Asymmetrie als Innovationstreiber

Produktentwickler bei der Arbeit
Foto von Kaleidico

Produkte durchlaufen während ihres Lebenszyklus verschiedene Phasen – von der Einführung über das Wachstum und die Reife bis hin zur Stagnation oder sogar zum Niedergang. In der Reife- oder Stagnationsphase angekommen, stellt sich oft die Frage, wie man einem Produkt neuen Schwung verleihen kann. Hier kommt das Konzept der Asymmetrie ins Spiel. Das bewusste Brechen von Symmetrien und die Transformation von konstanten in variable Eigenschaften können einem Produkt zu neuem Wachstum verhelfen und seine Innovationskraft stärken.

Symmetrie brechen für Innovation

Der klassische Weg der Produktentwicklung setzt oft auf symmetrische, konstante Eigenschaften: Ein Produkt ist in seiner Funktionalität, Form und Nutzung klar definiert und stabil. Doch gerade diese Stabilität kann im Laufe der Zeit zur Stagnation führen. Durch das gezielte Brechen dieser Symmetrien und die Einführung variabler Eigenschaften kann ein Produkt dynamisch an neue Anforderungen angepasst werden und so neues Wachstum generieren.

Beispiele aus der Praxis

1. Automobilindustrie: Adaptive Systeme Ein anschauliches Beispiel findet sich in der Automobilindustrie. Moderne Autos nutzen adaptive Systeme wie verstellbare Fahrwerke oder intelligente Klimaanlagen, die sich den aktuellen Straßen- und Wetterbedingungen anpassen. Anstatt eine konstante Federhärte zu haben, kann das Fahrwerk je nach Fahrsituation härter oder weicher eingestellt werden, was sowohl den Komfort als auch die Fahrsicherheit erhöht. Diese Innovation trägt erheblich zum neuen Wachstum im Produktlebenszyklus bei.

2. Consumer Electronics: Dynamische Displays Ein weiteres Beispiel sind Smartphones mit dynamischen Displays, die ihre Bildwiederholrate an die Nutzung anpassen. Während einfache Anwendungen mit einer niedrigeren Frequenz auskommen, steigert das Display bei Spielen oder Videos die Bildwiederholrate, um eine bessere Performance und ein flüssigeres Erlebnis zu bieten. Diese Anpassungsfähigkeit erhöht die Attraktivität und verlängert den Lebenszyklus des Produkts, indem sie neues Wachstum ermöglicht.

3. Architektur: Intelligente Fassaden In der Architektur können intelligente Fassaden, die ihre Eigenschaften je nach Wetterlage ändern, die Energieeffizienz von Gebäuden erheblich verbessern. Fassaden, die bei starker Sonneneinstrahlung reflektieren und bei kühleren Temperaturen absorbieren, bieten eine nachhaltige Lösung und geben älteren Gebäuden einen innovativen Schub, was zu neuem Wachstum im Produktlebenszyklus führt.

Transformation konstanter in variable Eigenschaften

Die Transformation von konstanten in variable Eigenschaften kann in vielen Bereichen angewendet werden:

  • Materialien: Materialien, die ihre Eigenschaften je nach äußeren Einflüssen verändern können, finden immer mehr Anwendung. Beispiele sind thermochrome Farben, die je nach Temperatur ihre Farbe ändern, oder Materialien, die sich bei Feuchtigkeit ausdehnen und wieder zusammenziehen. Diese Innovationen fördern das neue Wachstum von Produkten und verlängern ihren Produktlebenszyklus.
  • Dienstleistungen: Auch im Dienstleistungsbereich kann Asymmetrie neue Impulse geben. Flexible Tarifmodelle oder Dienstleistungen, die sich an die Nutzung des Kunden anpassen, können die Kundenzufriedenheit und -bindung erhöhen. Dies führt zu einem verlängerten Produktlebenszyklus und neuem Wachstum.
  • Produktdesign: Produkte, die multifunktional sind und sich an verschiedene Nutzungsbedingungen anpassen können, wie z.B. modulare Möbel, bieten den Nutzern einen höheren Mehrwert und eröffnen neue Märkte. Diese Innovationen tragen maßgeblich zum neuen Wachstum bei.

Fazit

Das Brechen von Symmetrien und die Einführung variabler Eigenschaften sind kraftvolle Werkzeuge, um Produkten, die sich in der Stagnation oder im Niedergang befinden, neuen Schub zu verleihen. Durch die gezielte Anwendung asymmetrischer Prinzipien können Unternehmen ihre Innovationskraft stärken und langfristig wettbewerbsfähig bleiben. Trainieren Sie Ihr asymmetrisches Denken und machen Sie es zu einem festen Bestandteil Ihrer Innovationsstrategie – die Ergebnisse werden für sich sprechen. So kann jedes Unternehmen den Produktlebenszyklus verlängern und neues Wachstum erzielen.

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Trainer/Moderator

Dietmar Gamm, M.Sc. Dipl.-Ing.

Leistungen

Trainings und Workshop-Moderation für Kreativität und Innovation


Trainings und Workshop-Moderation zu professionellem Entscheiden


Ergebnisorientierte Moderation von Workshops und Besprechungen im Rhein-Main-/Rhein-Neckar-Raum