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Analy­tische und kreative Problem­lö­sungs­tech­niken im Vergleich

Das Problem an der (tiefen) Wurzel packen

Dies ist die häufigste Stra­tegie in technik- und daten­ori­en­tierten Orga­ni­sa­tionen. Besonders Menschen in Arbeits­si­cherheit, Compliance oder Quali­täts­si­cherung setzen auf Problem­lö­sungs­tech­niken wie die

  • Root-Cause-Analyse (Analyse der tieferen Ursachen) oder die
  • 5‑Why- /​5‑mal-warum-Methode.

Diese analy­ti­schen Werk­zeuge richten das Suchen auf die Ursachen des auftre­tenden Problems. Und von dort auf die Ursachen der Ursachen. Bis eine ausrei­chend tiefe Ursache gefunden ist, die dann abge­stellt wird.

Ein einfaches Beispiel veran­schau­licht das Vorgehen mit der 5‑Why-Problem­lö­sungs­technik in einem Problem­lö­sungs­workshop. Eine Person über­nimmt die Rolle des Fragenden und eine weitere die Rolle der Antwortenden.

Root-Cause-Analyse mit der 5‑Why-Methode

Problem: Das Auto springt nicht an.

Der Fragende: „Warum springt das Auto nicht an?” Die Antwor­tende: „Weil der Tank leer ist.”

Geht es nur darum, das akute Problem zu lösen, können die beiden hier abbrechen und über­legen, wie sie an Benzin kommen.

Möchten sie nicht nur das akute Problem lösen, sondern ein Wieder­auf­treten verhindern, ein chro­ni­sches Problem lösen, geht es weiter.

Der Fragende: „Warum ist der Tank leer?” Die Antwor­tende: „Weil ich vergessen habe zu tanken.”

Der Fragende: „Warum hast du vergessen zu tanken?” Die Antwor­tende: „Weil ich es eilig hatte und mit den Gedanken woanders war.”

So wird fort­ge­fahren, bis die beiden einen Punkt erreichen, an dem

  • die Fragen keine sinn­vollen Antworten mehr ermög­lichen, oder
  • eine Antwort eine sinn­volle Lösung des Problems, das Abstellen einer Ursache offen­sichtlich macht.

Zeigen die Antworten nicht direkt auf eine gute Lösung, schalten die Lösungs­sucher jetzt um in den Kreativ-Modus. Dazu unten mehr.

Ursache-Wirkungs-Diagramm

Die analy­tische, erste Stra­tegie ist also sehr fokus­siert. Man konzen­triert sich auf eine Ursache und bohrt immer tiefer. Manchmal findet man diese nahe­lie­gende erste Ursache aber nicht. Oder es gibt gleich mehrere davon.

Hier hilft das Ursache-Wirkungs- oder Ishikawa-Diagramm weiter. Mit ihm können die Lösungs­sucher ein voll­stän­diges Bild der möglichen Ursachen erstellen.

Die Problem­löser zeichnen einen Pfeil mit Spitze nach rechts und schreiben daneben das zu lösende Problem. Aber Achtung: Keine Annahmen über das Problem oder seine Ursachen, sondern eine konkrete Beob­achtung. Nicht „Günther Maier ist ein mise­rabler Radfahrer.” Sondern: „Günther Maier ist auf dem Weg zur Arbeit mit dem Rad gestürzt.”

Im zweiten Schritt werden einige diagonale Pfeile gezeichnet, meist vier oder sechs. Diese stehen für Gruppen von Ursachen. Bei tech­ni­schen Problemen werden häufig die Gruppen in der Darstellung verwendet.

Als Drittes werden je Gruppe mögliche Ursachen „gebrain­stormt”. Wenn die Teil­nehmer meinen, dass das Bild voll­ständig ist, geht es ausserhalb des Diagramms weiter.

Die gefun­denen, möglichen Ursachen müssen bewertet werden. Welches sind die wahr­schein­lichsten darunter? Diese werden dann genauer unter­sucht. Oft durch kleine Expe­ri­mente, die sie bestä­tigen oder verneinen.

Kreative Problem­lösung

Die analy­ti­schen Lösungs­stra­tegien (Root-Cause-Analyse und Ursache-Wirkungs-Diagramm) funk­tio­nieren gut bei Problemen in einfachen, tech­ni­schen Systemen. Bei komplexen Systemen, wenn mensch­liches Verhalten, Denk­pro­zesse und Motive ins Spiel kommen, stoßen sie an ihre Grenzen. Weil die Ursache-Wirkungs­be­zie­hungen nicht mehr durch­schaubar sind. Und falls doch tiefe Ursachen ausge­macht werden können, diese nur mit großem Aufwand und zu hohen Kosten zu besei­tigen sind.

Wenn einfaches Finden und Abstellen der Proble­m­ur­sache keine Option ist, wird es Zeit, auf die Suche nach krea­tiven Lösungen zu gehen.

Aber was macht eine kreative Lösung eigentlich aus?

Eine Veran­schau­li­chung aus unseren Trainings:

Es geht um eine mili­tä­rische Abhör­an­tenne. Eine ziemlich einfache Konstruktion. Ein leichter Mast, bestehend aus einem hohlen Stahlrohr, die Anten­nen­zähne und etwas Elek­tronik. Das Problem liegt darin, dass bei Einsätzen im Hoch­ge­birge, wenn sich auf den Zähnen eine dicke Eisschicht aufbaut, der Mast bricht. Die Last wird zu hoch für das leichte Stahlrohr.

Wenn wir im ASIT-Training Teil­nehmer bitten, ein Brain­storming zu machen, um Ideen zu finden, die das Problem lösen, hören wir stets dieselben Vorschläge:

  • Ein Zelt um die Antenne bauen.
  • Die Zähne zu beheizen, um den Eisaufbau zu verhindern.
  • Eine Vibra­ti­ons­vor­richtung zu entwi­ckeln, die Eisschichten wieder abrüttelt.

Je länger die Teil­nehmer suchen, desto aufwän­diger, teurer und komplexer werden die Lösungen.

Nur selten finden Teil­nehmer die sehr einfache Lösung, die wir an diesem Punkt zeigen. Eine Lösung, die keine zusätz­liche Tech­no­logie, keine zusätz­lichen Kompo­nenten benötigt. Keinen Strom und keine Kabel. Bei dem das Problem sich selbst löst.

Wenn sie die Lösung dann sehen, erleben sie einen „Aha-Effekt”. Und sie fragen sich, warum sie nicht selbst darauf gekommen sind.

Eigen­schaften krea­tiver Problemlösungen

Das sind die Merkmale krea­tiver Problemlösungen:

  • Sie sind mit Brain­storming und ähnlich schwachen Methoden kaum zu finden.
  • Im Nach­hinein erscheinen sie ganz offensichtlich.
  • Sie sind einfach, minimalistisch.
  • Sie nutzen Dinge, die vorhanden sind auf eine inter­es­sante, neue Art und Weise.
  • Kreative Lösungen verur­sachen keine uner­wünschten Neben­wir­kungen, wie hohe Kosten oder stei­gende Komplexität.
  • Sie erzeugen durch eine geringe Verän­derung eine neue Qualität.

Als Vorge­hens­weise ist ganz besonders die ASIT®-Methode, das syste­ma­tisch-erfin­de­rische Denken geeignet. Sie besteht aus einem einfachen Ablauf für die Lösungs­suche in Klein­gruppen. Und aus Lösungs­prin­zipien: Denk­werk­zeugen, die die Lösungs­su­chenden zuver­lässig zu den cleversten Lösungen hinführen.

Die ASIT-Methode nutzen

Die Methode läßt sich in kompakten Trai­nings erlernen, was wir für regel­mäßige Anwender empfehlen. Oder sie kann durch einen externen Mode­rator unter­stützt werden.