Analytische und kreative Problemlösungstechniken im Vergleich

Die 3 grund­sätz­li­chen Stra­te­gien, um schwie­rige Probleme zu lösen – und wie Sie die beste auswählen.

Das Problem an der (tiefen) Wurzel packen

Dies ist die häufigste Stra­te­gie in technik- und daten­ori­en­tier­ten Orga­ni­sa­tio­nen. Beson­ders Menschen in Arbeits­si­cher­heit, Compli­ance oder Quali­täts­si­che­rung setzen auf Problem­lö­sungs­tech­ni­ken wie die

  • Root-Cause-Analyse (Analyse der tiefe­ren Ursa­chen) oder die
  • 5‑Why- /​ 5‑mal-warum-Methode.

Diese analy­ti­schen Werk­zeuge richten das Suchen auf die Ursa­chen des auftre­ten­den Problems. Und von dort auf die Ursa­chen der Ursa­chen. Bis eine ausrei­chend tiefe Ursache gefun­den ist, die dann abge­stellt wird.

Ein einfa­ches Beispiel veran­schau­licht das Vorge­hen mit der 5‑Why-Problem­lö­sungs­tech­nik in einem Problem­lö­sungs­work­shop. Eine Person über­nimmt die Rolle des Fragen­den und eine weitere die Rolle der Antwortenden.

Root-Cause-Analyse mit der 5‑Why-Methode

Problem: Das Auto springt nicht an.

Der Fragende: „Warum springt das Auto nicht an?” Die Antwor­tende: „Weil der Tank leer ist.”

Geht es nur darum, das akute Problem zu lösen, können die beiden hier abbre­chen und über­le­gen, wie sie an Benzin kommen.

Möchten sie nicht nur das akute Problem lösen, sondern ein Wieder­auf­tre­ten verhin­dern, ein chro­ni­sches Problem lösen, geht es weiter.

Der Fragende: „Warum ist der Tank leer?” Die Antwor­tende: „Weil ich verges­sen habe zu tanken.”

Der Fragende: „Warum hast du verges­sen zu tanken?” Die Antwor­tende: „Weil ich es eilig hatte und mit den Gedan­ken woan­ders war.”

So wird fort­ge­fah­ren, bis die beiden einen Punkt errei­chen, an dem

  • die Fragen keine sinn­vol­len Antwor­ten mehr ermög­li­chen, oder
  • eine Antwort eine sinn­volle Lösung des Problems, das Abstel­len einer Ursache offen­sicht­lich macht.

Zeigen die Antwor­ten nicht direkt auf eine gute Lösung, schal­ten die Lösungs­su­cher jetzt um in den Kreativ-Modus. Dazu unten mehr.

Ursache-Wirkungs-Diagramm

Die analy­ti­sche, erste Stra­te­gie ist also sehr fokus­siert. Man konzen­triert sich auf eine Ursache und bohrt immer tiefer. Manch­mal findet man diese nahe­lie­gende erste Ursache aber nicht. Oder es gibt gleich mehrere davon.

Hier hilft das Ursache-Wirkungs- oder Ishi­kawa-Diagramm weiter. Mit ihm können die Lösungs­su­cher ein voll­stän­di­ges Bild der mögli­chen Ursa­chen erstellen.

Die Problem­lö­ser zeich­nen einen Pfeil mit Spitze nach rechts und schrei­ben daneben das zu lösende Problem. Aber Achtung: Keine Annah­men über das Problem oder seine Ursa­chen, sondern eine konkrete Beob­ach­tung. Nicht „Günther Maier ist ein mise­ra­bler Radfah­rer.” Sondern: „Günther Maier ist auf dem Weg zur Arbeit mit dem Rad gestürzt.”

Im zweiten Schritt werden einige diago­nale Pfeile gezeich­net, meist vier oder sechs. Diese stehen für Gruppen von Ursa­chen. Bei tech­ni­schen Proble­men werden häufig die Gruppen in der Darstel­lung verwendet.

Als Drittes werden je Gruppe mögli­che Ursa­chen „gebrain­stormt”. Wenn die Teil­neh­mer meinen, dass das Bild voll­stän­dig ist, geht es ausser­halb des Diagramms weiter.

Die gefun­de­nen, mögli­chen Ursa­chen müssen bewer­tet werden. Welches sind die wahr­schein­lichs­ten darun­ter? Diese werden dann genauer unter­sucht. Oft durch kleine Expe­ri­mente, die sie bestä­ti­gen oder verneinen.

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Kreative Problemlösung

Die analy­ti­schen Lösungs­stra­te­gien (Root-Cause-Analyse und Ursache-Wirkungs-Diagramm) funk­tio­nie­ren gut bei Proble­men in einfa­chen, tech­ni­schen Syste­men. Bei komple­xen Syste­men, wenn mensch­li­ches Verhal­ten, Denk­pro­zesse und Motive ins Spiel kommen, stoßen sie an ihre Grenzen. Weil die Ursache-Wirkungs­be­zie­hun­gen nicht mehr durch­schau­bar sind. Und falls doch tiefe Ursa­chen ausge­macht werden können, diese nur mit großem Aufwand und zu hohen Kosten zu besei­ti­gen sind.

Wenn einfa­ches Finden und Abstel­len der Proble­m­ur­sa­che keine Option ist, wird es Zeit, auf die Suche nach krea­ti­ven Lösun­gen zu gehen.

Aber was macht eine kreative Lösung eigentlich aus?

Eine Veran­schau­li­chung aus unseren Trainings:

Es geht um eine mili­tä­ri­sche Abhör­an­tenne. Eine ziem­lich einfa­che Konstruk­tion. Ein leich­ter Mast, bestehend aus einem hohlen Stahl­rohr, die Anten­nen­zähne und etwas Elek­tro­nik. Das Problem liegt darin, dass bei Einsät­zen im Hoch­ge­birge, wenn sich auf den Zähnen eine dicke Eisschicht aufbaut, der Mast bricht. Die Last wird zu hoch für das leichte Stahlrohr.

Wenn wir im ASIT-Training Teil­neh­mer bitten, ein Brain­stor­ming zu machen, um Ideen zu finden, die das Problem lösen, hören wir stets diesel­ben Vorschläge:

  • Ein Zelt um die Antenne bauen.
  • Die Zähne zu behei­zen, um den Eisauf­bau zu verhindern.
  • Eine Vibra­ti­ons­vor­rich­tung zu entwi­ckeln, die Eisschich­ten wieder abrüttelt.

Je länger die Teil­neh­mer suchen, desto aufwän­di­ger, teurer und komple­xer werden die Lösungen.

Nur selten finden Teil­neh­mer die sehr einfa­che Lösung, die wir an diesem Punkt zeigen. Eine Lösung, die keine zusätz­li­che Tech­no­lo­gie, keine zusätz­li­chen Kompo­nen­ten benö­tigt. Keinen Strom und keine Kabel. Bei dem das Problem sich selbst löst.

Wenn sie die Lösung dann sehen, erleben sie einen „Aha-Effekt”. Und sie fragen sich, warum sie nicht selbst darauf gekom­men sind.

Eigenschaften kreativer Problemlösungen

Das sind die Merk­male krea­ti­ver Problemlösungen:

  • Sie sind mit Brain­stor­ming und ähnlich schwa­chen Metho­den kaum zu finden.
  • Im Nach­hin­ein erschei­nen sie ganz offensichtlich.
  • Sie sind einfach, minimalistisch.
  • Sie nutzen Dinge, die vorhan­den sind auf eine inter­es­sante, neue Art und Weise.
  • Krea­tive Lösun­gen verur­sa­chen keine uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen, wie hohe Kosten oder stei­gende Komplexität.
  • Sie erzeu­gen durch eine geringe Verän­de­rung eine neue Qualität.

Als Vorge­hens­weise ist ganz beson­ders die ASIT®-Methode, das syste­ma­tisch-erfin­de­ri­sche Denken geeig­net. Sie besteht aus einem einfa­chen Ablauf für die Lösungs­su­che in Klein­grup­pen. Und aus Lösungs­prin­zi­pien: Denk­werk­zeu­gen, die die Lösungs­su­chen­den zuver­läs­sig zu den clevers­ten Lösun­gen hinführen.

Die ASIT-Methode nutzen

Die Methode läßt sich in kompak­ten Trai­nings erler­nen, was wir für regel­mä­ßige Anwen­der empfeh­len. Oder sie kann durch einen exter­nen Mode­ra­tor unter­stützt werden.